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Berater und Gründerin besprechen Unterlagen zum Gründungszuschuss am Tisch

Wer aus dem Bezug von Arbeitslosengeld I heraus ein eigenes Unternehmen gründet, kann den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit beantragen. Dieser Beitrag erklärt verständlich, wer grundsätzlich infrage kommt, wie hoch die Förderung ausfallen kann, welche Unterlagen für den Antrag nötig sind und worauf viele Gründerinnen und Gründer in der Praxis achten sollten.

Berater und Gründerin besprechen Unterlagen zum Gründungszuschuss am Tisch

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss ist eine freiwillige Leistung der Agentur für Arbeit für Menschen, die aus dem Bezug von Arbeitslosengeld I (ALG I) heraus eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit aufnehmen. Rechtsgrundlage sind die §§ 93 und 94 SGB III. Die Förderung soll die Zeit nach der Existenzgründung finanziell überbrücken, in der noch kein oder nur wenig Einkommen aus dem neuen Unternehmen fließt, und gleichzeitig die soziale Absicherung der Gründerin oder des Gründers sicherstellen.

Wichtig zu wissen

Seit einer Gesetzesänderung zum 28.12.2011 besteht kein Rechtsanspruch mehr auf den Gründungszuschuss. Es handelt sich um eine sogenannte Ermessensleistung: Die zuständige Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall, ob und in welcher Höhe der Zuschuss bewilligt wird. Selbst wer alle formalen Voraussetzungen erfüllt, hat also keine automatische Garantie auf Bewilligung.

Wer hat grundsätzlich Anspruch auf den Gründungszuschuss?

Die Ausgangsvoraussetzungen sind gesetzlich klar umrissen, auch wenn die endgültige Entscheidung im Ermessen der Agentur für Arbeit liegt. In der Regel kommen folgende Personen infrage:

  • Empfänger und Empfängerinnen von Arbeitslosengeld I, die zum Zeitpunkt der Existenzgründung noch einen Restanspruch von mindestens 150 Tagen auf ALG I haben.
  • Personen, die durch die Aufnahme der Selbstständigkeit die Arbeitslosigkeit beenden.
  • Gründerinnen und Gründer, die die selbstständige Tätigkeit hauptberuflich ausüben – üblicherweise mit einem zeitlichen Umfang von mindestens 15 Stunden pro Woche.
  • Personen, die ihre persönliche und fachliche Eignung für die geplante selbstständige Tätigkeit glaubhaft machen können.
Ausnahme für Menschen mit Behinderung

Für Personen mit Behinderung im Sinne des § 19 SGB III gelten nach den Angaben der Agentur für Arbeit abweichende Regelungen: Der Gründungszuschuss kann in bestimmten Fällen auch mit einem kürzeren Restanspruch oder ganz ohne laufenden ALG-I-Bezug infrage kommen. Ob dies im Einzelfall zutrifft, klärt die zuständige Agentur für Arbeit.

Voraussetzungen im Detail: Was wird konkret geprüft?

Neben dem formalen Leistungsbezug prüft die Agentur für Arbeit vor allem, ob das geplante Vorhaben tragfähig erscheint. Dabei spielen zwei Elemente eine zentrale Rolle:

Persönliche und fachliche Eignung

Die Gründerin oder der Gründer sollte über die notwendigen kaufmännischen und fachlichen Kenntnisse für das geplante Geschäftsmodell verfügen, sei es durch Ausbildung, Berufserfahrung oder gezielte Vorbereitung, etwa durch einen Existenzgründerkurs.

Tragfähigkeitsbescheinigung

Der Businessplan mit Kapitalbedarfs-, Finanzierungs- und Rentabilitätsplanung muss in der Regel von einer fachkundigen Stelle geprüft werden – etwa einer Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer, einem Steuerberater, einer Bank oder einem anerkannten Gründungsberater. Das Ergebnis ist die sogenannte Tragfähigkeitsbescheinigung, die der Antragstellung beigelegt wird.

Beratungsgespräch zwischen Gründerin und Fachberater über den Businessplan

Höhe und Dauer der Förderung

Der Gründungszuschuss wird in zwei aufeinanderfolgenden Phasen ausgezahlt. Die genaue Höhe richtet sich nach dem zuletzt bezogenen Arbeitslosengeld I und kann daher von Person zu Person unterschiedlich ausfallen.

6 MonatePhase 1: bisheriges ALG-I-Niveau zzgl. 300 € monatlich für die soziale Absicherung
9 MonatePhase 2: pauschal 300 € monatlich, nach erneuter Prüfung der Geschäftstätigkeit
15 MonateMaximale Gesamtlaufzeit beider Phasen zusammen
PhaseDauerHöheVoraussetzung
Phase 1 bis zu 6 Monate Höhe des zuletzt bezogenen ALG I + 300 € monatlich Bewilligter Erstantrag
Phase 2 bis zu 9 Monate pauschal 300 € monatlich Nachweis einer aktiven, tragfähigen Geschäftstätigkeit
Kein fester Gesamtbetrag

Ein häufig zitierter Richtwert von bis zu rund 20.000 € über die gesamte Förderdauer ist nur eine grobe Orientierung. Die tatsächliche Summe hängt vom individuellen ALG-I-Anspruch ab und kann deutlich niedriger oder – bei entsprechend hohem vorherigem Einkommen – auch höher liegen. Eine verbindliche Berechnung nimmt ausschließlich die zuständige Agentur für Arbeit vor.

So läuft der Antrag auf den Gründungszuschuss ab

Der Antrag sollte gut vorbereitet und möglichst frühzeitig gestellt werden – idealerweise, während noch ALG I bezogen wird und bevor die selbstständige Tätigkeit tatsächlich beginnt.

  • Persönliches Beratungsgespräch bei der zuständigen Agentur für Arbeit suchen und die Gründungsidee vorstellen.
  • Businessplan mit Kapitalbedarfs-, Finanzierungs- und Rentabilitätsplanung erstellen.
  • Tragfähigkeitsbescheinigung bei einer fachkundigen Stelle einholen.
  • Vollständigen Antrag mit allen Unterlagen bei der Agentur für Arbeit einreichen.
  • Nach Bewilligung: Gewerbe anmelden bzw. Tätigkeit aufnehmen und Nachweise für den Verlängerungsantrag (Phase 2) sammeln.

Welche Unterlagen werden für den Antrag benötigt?

UnterlageZweck
Ausgefülltes AntragsformularFormaler Antrag bei der Agentur für Arbeit
BusinessplanBeschreibung des Geschäftsmodells, der Zielgruppe und der Strategie
Kapitalbedarfs- und FinanzierungsplanÜbersicht über Investitionen und deren Finanzierung
Rentabilitätsvorschau (i. d. R. für mehrere Jahre)Nachweis der wirtschaftlichen Tragfähigkeit
TragfähigkeitsbescheinigungFachliche Einschätzung durch IHK, HWK, Steuerberater o. Ä.
LebenslaufNachweis der fachlichen und persönlichen Eignung
Nachweis der Gewerbeanmeldung oder freiberuflichen TätigkeitBeleg für den tatsächlichen Beginn der Selbstständigkeit
Unternehmerin arbeitet konzentriert an Businessplan und Finanzplanung am Laptop

Vorsicht bei Hinzuverdienst zum Gründungszuschuss

Selbstständigkeit muss hauptberuflich bleiben

Wer während der Förderphase zusätzlich einer abhängigen Beschäftigung nachgeht, sollte die zeitliche Grenze im Blick behalten: Eine Nebentätigkeit von in der Regel bis zu 15 Stunden pro Woche gilt üblicherweise noch als unschädlich, solange die selbstständige Tätigkeit eindeutig im Vordergrund bleibt. Wird diese Grenze überschritten oder verliert die Selbstständigkeit ihren hauptberuflichen Charakter, kann dies Auswirkungen auf die Bewilligung und die Fortzahlung des Zuschusses haben. Da die Bewertung im Einzelfall erfolgt, empfiehlt es sich, geplante Nebentätigkeiten vorab mit der Agentur für Arbeit abzustimmen.

Gründungszuschuss und Krankenversicherung

Auswirkung auf die Beitragsberechnung

Der Gründungszuschuss selbst ist steuerfrei und muss nicht als Betriebseinnahme versteuert werden. Für gesetzlich krankenversicherte Gründerinnen und Gründer kann er jedoch bei der Berechnung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge als Einkommen berücksichtigt werden. Ob und in welcher Höhe sich dadurch die Beiträge verändern, hängt von der individuellen Versicherungssituation ab – hier lohnt sich in der Regel eine gezielte Rückfrage bei der eigenen Krankenkasse, insbesondere beim Vergleich zwischen gesetzlicher und privater Absicherung.

Häufige Fehler beim Antrag auf Gründungszuschuss

Typische Stolperfallen in der Praxis
  • Der Antrag wird erst nach Aufnahme der Selbstständigkeit gestellt – dann ist eine Bewilligung in der Regel nicht mehr möglich.
  • Der Businessplan wirkt unvollständig oder wenig belastbar, etwa bei fehlender Marktanalyse oder unrealistischer Umsatzplanung.
  • Die Tragfähigkeitsbescheinigung wird von einer Stelle ausgestellt, die von der Agentur für Arbeit nicht als fachkundig anerkannt wird.
  • Der zeitliche Umfang der geplanten Nebentätigkeiten wird nicht offengelegt oder falsch eingeschätzt.
  • Der Verlängerungsantrag für Phase 2 wird zu spät oder ohne aussagekräftige Nachweise über die bisherige Geschäftstätigkeit eingereicht.
Unterschrift unter dem Antrag auf Gründungszuschuss

Gründungszuschuss ohne Anspruch auf ALG I: der Weg über die Rentenversicherung

Nicht jede Person, die sich selbstständig machen möchte, bezieht Arbeitslosengeld I. Für einen begrenzten Personenkreis gibt es eine weitere, weniger bekannte Option: Im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben kann die Deutsche Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls einen Gründungszuschuss gewähren – etwa für Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit gemindert ist und die im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Die Voraussetzungen unterscheiden sich deutlich von denen der Agentur für Arbeit und werden im Einzelfall durch den zuständigen Rentenversicherungsträger geprüft.

Wer keinen Anspruch über die Agentur für Arbeit hat, sollte nicht vorschnell davon ausgehen, dass gar keine Förderung möglich ist – ein Blick auf alternative Träger und Programme kann sich lohnen.

Alternativen zum Gründungszuschuss

Für Personen, die kein Arbeitslosengeld I, sondern Bürgergeld beziehen, ist der Gründungszuschuss nicht die passende Förderung. Hier kommt stattdessen das sogenannte Einstiegsgeld nach § 16b SGB II infrage, das über das zuständige Jobcenter beantragt wird. Daneben gibt es je nach Bundesland, Branche und Vorhaben weitere Förderinstrumente, etwa zinsgünstige KfW-Gründerkredite oder regionale Gründungsstipendien. Welche Kombination im Einzelfall sinnvoll ist, hängt stark von der persönlichen Situation und dem Geschäftsmodell ab.

Team aus Gründerinnen und Gründern bespricht nächste Schritte nach der Förderzusage

Häufig gestellte Fragen zum Gründungszuschuss

Muss der Gründungszuschuss zurückgezahlt werden?
In der Regel nicht. Eine Rückforderung kommt vor allem dann infrage, wenn der Antrag auf falschen oder grob fahrlässig unvollständigen Angaben beruhte oder die Voraussetzungen nachträglich wegfallen.
Ist der Gründungszuschuss steuerpflichtig?
Der Gründungszuschuss selbst ist grundsätzlich steuerfrei. Er unterliegt jedoch dem sogenannten Progressionsvorbehalt, wodurch er den Steuersatz für das übrige Einkommen beeinflussen kann. Eine individuelle steuerliche Einschätzung sollte durch einen Steuerberater erfolgen.
Kann der Antrag abgelehnt werden, obwohl alle formalen Voraussetzungen erfüllt sind?
Ja. Da es sich um eine Ermessensleistung handelt, kann die Agentur für Arbeit den Antrag auch bei formal erfüllten Voraussetzungen ablehnen, etwa wenn Zweifel an der Tragfähigkeit des Vorhabens bestehen.
Wie lange im Voraus sollte der Antrag gestellt werden?
Es empfiehlt sich, frühzeitig – idealerweise mehrere Wochen vor dem geplanten Start der Selbstständigkeit – ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit zu vereinbaren, da die Bearbeitung von Businessplan, Tragfähigkeitsbescheinigung und Antrag Zeit in Anspruch nimmt.
Gilt der Gründungszuschuss auch für eine GmbH-Gründung?
Grundsätzlich kann der Gründungszuschuss auch bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft wie einer GmbH infrage kommen, sofern die Antragstellerin oder der Antragsteller die Tätigkeit hauptberuflich und maßgeblich ausübt. Details prüft die zuständige Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Individuelle Einschätzung statt Unsicherheit

Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über den Gründungszuschuss – er ersetzt keine individuelle Beratung. Ob und in welcher Höhe eine Förderung in Ihrer persönlichen Situation realistisch ist, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie verstehen möchten, wie diese Regelungen konkret auf Ihre Gründung in Deutschland zutreffen, oder sich generell auf den Weg in die Selbstständigkeit vorbereiten möchten, können Sie eine persönliche Beratung buchen oder an einem unserer Bildungsprogramme teilnehmen. Gemeinsam lässt sich Ihre Situation analysieren und lassen sich kostspielige Fehler vermeiden.

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Quellen